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Orientierungslaufverband Zürich

 
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Oekogeo-Studie

Forschungsprojekt zur Untersuchung der Auswirkungen des Orientierungslaufes auf Fauna und Flora.

Projektname: Einfluss des Orientierungslaufes auf Fauna und Flora
Auftraggeber: Schweizerischer Orientierungslauf-Verband (SOLV), Schweizerischer Landesverband für Sport (SLS)
Auftragnehmer: Oekogeo AG, Schaffhausen

Zielsetzung und Untersuchungskonzept:

A) Analyse des Orientierungslaufes in der Schweiz

Gliederung der OL-Gelände in Laufgebietstypen unter Zuordnung von OL-Veranstaltungen und Einbezug der jahreszeitlichen Verteilung, sowie Untersuchung des Läuferverhaltens während eines OL-Wettkampfes.

B) Inventarisierung des schweizerischen OL-Geländes

Qualitative Erfassung der Ausstattung von OL-Laufgebieten und Auswertung der Inventardaten mit dem Ziel, die Laufgebietstypen bezüglich der ökologischen und anthropogenen Merkmale zu charakterisieren und in Gruppen zusammenzufassen.

C) Untersuchung der Auswirkungen des OL auf Flora, Vegetation und Boden

Durchführung, Auswertung und Beurteilung von Felduntersuchungen bezüglich der Auswirkungendes OL auf Flora, Vegetation und Boden an 10 Orientierungsläufen des Jahres 1990 mit den daraus resultierenden Empfehlungen an den SOLV.

D) Untersuchung der Auswirkungen des OL auf Wild und Vögel

Durchführung, Auswertung und Beurteilung von Wildbeachtungen bezüglich der Auswirkungen des OL auf Reh- und Hirschwild an 6 Orientierungsläufen des Jahres 1990 mit den daraus resultierenden Empfehlungen an den SOLV.

Untersuchung und Beurteilung der Auswirkungen des OL auf Vögel, insbesondere auf Rauhfusshühner - (Literatur- und Aktenauswertung) - mit den daraus resultierenden Empfehlungen an den SOLV.

E) Gutachtliche Synthese

Zusammengefasste Beurteilung der Auswirkungen des OL und Empfehlung zur Verminderung derselben auf Fauna und Flora.

Einfluss des OL auf Flora, Vegetation und Boden 1

Die gutachtliche Synthese des Forschungsprojektes "Einfluss des Orientierungslaufes auf Fauna und Flora" beurteilt die Beeinflussung von Flora, Vegetation und Boden durch Orientierungsläufe wie folgt:

Obwohl die am stärksten durch Tritt belasteten Bereiche von OL-Laufanlagen untersucht wurden, sind die festgestellten Schäden an Flora, Vegetation und Boden generell unbedeutend. Eine grössere Anzahl bedeutender Schädigungen kamen nur an Postenstandorten in einigen empfindlichen Biotoptypen vor, wenn mehrere Einflussfaktoren zusammen eine Schädigung der Pflanzen begünstigten.

Waren die Schadenzahlen der Krautschicht an den untersuchten Postenstandorten für OL höher als für andere Einwirkungen, so lagen die Werte bei der Strauchschicht beim Wildverbiss zehnmal höher als beim OL. Die vom OL beeinträchtigte Krautschicht regeneriert im allgemeinen rasch. Ein Monat nach dem Lauftag hatten sich, unabhängig von der Jahreszeit, in den meisten Fällen 80-100 % der vom OL beeinträchtigten Flächen der Postenbereiche regeneriert.

Empfehlungen

Empfehlungen zur Verminderung von Schäden an Flora, Vegetation und Boden wurden abgegeben, weil sich Schäden durch geschickte Plazierung der Posten-flaggen und des Start- und Zielgeländes ohne grossen Aufwand für die Veranstalter weiter minimieren lassen.

Postenwahl

Als Standorte sollten nach Möglichkeit keine Postenstandorte des Vorjahres gewählt werden, wenn es sich um folgende Biotopobjekte handelt:

  • Biotopobjekte in Feuchtgebieten wie Quellen und Quellsümpfe mit grosser Hangneigung, die zur Zeit des OL Wasser führen.
  • Lichtungen, Dickungsränder und Dickungsecken in Wäldern, wo natürlicher Baumjungwuchs für den zukünftigen Waldbestand vorgesehen ist.

In Baumpflanzungen bis etwa 1 m Wuchshöhe auf Aufforstungsflächen in ehemaligen Windwurfflächen und an erosionsgeschädigten Hängen sowie in Riedwiesen und Mooren mit geschützten und bedrohten Pflanzen und Tierarten sollten keine Postenstandorte ausgewählt werden.

Setzen der Postenflagge

Bei Biotopobjekten in Feuchtgebieten (Rinne, Bach) ist die Postenflagge an den Rand der Objekte zu setzen.

Wahl des Start- und Zielgeländes

Pflichtstrecken sind durch unempfindliche Gebiete zu führen. Das Start- und Zielgelände ist in unempfindlichen Gebieten zu plazieren.

Einfluss des OL auf Rehwild 1

Die gutachtliche Synthese des Forschungsprojektes "Einfluss des Orientierungslaufes auf Fauna und Flora" beurteilt die Gefährdung des Rehwildes durch die Auswirkungen von Orientierungsläufen im wesentlichen wie folgt:

Das Rehwild wird durch die Durchführung von Orientierungsläufen nachweislich in seinem normalen Verhaltensrythmus gestört. Unmittelbare Folgen von OL-bedingten Störungen können in in seltenen Fällen Kollosionen mit bewegten Motorfahrzeugen, aber auch mit ortsfesten Strukturen sein, vorallem in Laufgebieten mit hohem Zaunumsatz und befahrenen Strassen, sowie in Laufgebieten mit kleinen Wäldern.

Die Häufigkeit von Wildunfällen im Zusammenhang mit OL-Veranstaltungen ist im Vergleich mit der Häufigkeit anderer Ursachen verschwindend klein. Das Kollosionsrisiko lässt sich vermindern, wenn sich durch die Art der Laufanlage wiederholte Fluchtreaktionen des Rehwildes und weite Fluchtstrecken vermeiden lassen. Die Untersuchungen zeigten, dass ausweichendes Rehwild in geeigneten Freiflächen bzw. Ruhezonen während einer OL-Veranstaltung zur Ruhe kommen kann.

Empfehlungen

Zur Verminderung der OL-bedingten Störungen können in Laufgebieten mit Rehwildvorkommen Ruhezonen bzw. Freiflächen förderlich sein. Daneben sollte eine korridorartige Laufanlage ohne Konterrouten verwirklicht werden.

Ruhezonen

Ruhezonen sind Freiflächen oder Teile davon, die vom Rehwild während OL-Veranstaltungen als ungestörte Rückzugs-/Einstandsorte dienen sollen. Ruhezonen sollten

  • wenn möglich von markanten Leitlinien und Auffanglinien begrenzt sein
  • nicht von potentiellen Routen geschnitten oder umklammert werden
  • reich an Einständen und Deckungsmöglichkeiten sein
  • vom belaufenen Gebiet nicht durcheine befahrene Strasse   abgeschnitten sein
  • für flüchtendes Rehwild nach möglichst kurzer Flucht erreichbar sein

Freiflächen

Freiflächen sind die während eines OL potentiell läuferfreien Zonen im Laufgebiet. Entlang von stark befahrenen Strassen im Wald und Strassen in Waldrandnähe, wird die Ausscheidung von Freiflächen von ca. 200 m Breite empfohlen, unabhängig von deren Eignung als Ruhezone.

Korridorartige Laufanlagen

Die Fluchtstrecken aus dem belaufenen Gebiet heraus in Freiflächen dürften bei einer korridorartigen Laufanlage am kleinsten sein.

Laufgebietsspezifische Massnahmen

In von Siedlungen (weitgehend) eingeschlossenen Wäldern mit ausgewiesenen Rehwildbeständen sollte der SOLV auf die Durchführung von regionalen OL und grösseren Veranstaltungen zum Schutz des Rehwildes in der Setz- und Aufzuchtzeit während der Monate Mai und Juni verzichten.

Einfluss des OL auf Vögel 1

Die gutachtliche Synthese des Forschungsprojektes "Einfluss des Orientierungslaufes auf Fauna und Flora" beurteilt die Gefährdung von Vögel durch die Auswirkungen von Orientierungsläufen wie folgt:

Bei seltenen Vogelarten und solchen mit grossen Populationsschwankungen, wie dies für die Hühnervögel zutrifft, kann mit Schutzmassnahmen nicht zugewartet werden, bis sich massive Auswirkungen auf die Bestände einstellen. Die grosse Standorttreue der Hühnervogelarten bringt es mit sich, dass sie Lebensraumveränderungen und regelmässigen Störungen an Balz- und Brutplätzen besonders ausgesetzt sind.

Die Hauptbalzzeit der kollektiv balzenden Auer- und Birkhühner überschneidet sich bei der Austragungspraxis der letzten Jahre kaum mit den Austragungsräumen von Orientierungsläufen. Da sich zudem die Balzaktivitäten der beiden Arten ausserhalb der Hochbalz hauptsächlich auf Dämmerungsstunden am Morgen und am Abend beschränken, auf Tageszeiten also, in denen kaum OL-Aktivitäten stattfinden, sind wohl keine negativen Auswirkungen dieses Sportes auf die Balz von Auer- und Birkhuhn zu befürchten.

Die meisten übrigen Vogelarten balzen einzeln und nicht an Kollektivbalzplätzen. Eine allfällige direkte Störung durch den Orientierungslauf während der Balzzeit trifft daher nicht eine ganze Teilpopulation, sondern "lediglich" einzelne Individuen.

Empfehlungen

Die nachfolgenden Empfehlungen betreffen den Beitrag, den die Sportart Orientierungslauf im Sinne einer Selbsteinschränkung leisten kann, um eine Verschlechterung der Bestandessituation gefährdeter Hühnervögel und anderer Vogelarten in den heutigen und zukünftigen OL-Laufgebieten vermeiden zu helfen.

Dabei drängen sich für den Schutz des Auerhuhns und des Birkhuhns, den beiden Rauhfusshühnerarten mit Gemeinschaftsbalz, die strengsten Massnahmen auf. Die Empfehlungen zum Schutz der übrigen Vogelarten beinhalten Massnahmen zur Verminderung der Störungen während OL-Veranstaltungen.

Massnahmen zum Schutz des Auerhuhns

Je nach Lage und Grösse des betroffenen Areals in einem Laufgebiet, je nach Ausdehnung und Bestandesgrösse der betreffenden Auerhuhnpopulation, werden als sinnvoll erachtet:

  • Ausscheiden von permanenten Ruhezonen auf Laufkarten mit Auerhuhn vorkommen
  • Saisonale Beschränkung - Laufveranstaltung nur ab August bis Ende November
  • Massnahmen zum Schutz der brütenden Vögel

    In Laufgebieten mit grossflächigen, weitgehend geschlossenen Wäldern sind zum Schutz der brütenden Vögel während der Monate März bis Juli die folgenden bahnlegerischen Massnahmen zu treffen:

    • Waldränder, Dickichtränder, Hecken und Uferpartien als Leitlinien vermeiden
    • potentielle Routen nicht durch Waldränder, Jungwüchse und Gebüsche führen
    • keine Postenstandorte an Objekten innerhalb von Dickichten

    1 Quelle: Einfluss des Orientierungslaufes auf Fauna und Flora, SOLV 1991

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